INCLUDE_DATA
Fakten – Meinungen – Kommentare – News – EUforum – Europawahl 2009
15 Dec
190 Staaten einigen sich bei Weltklimakonferenz nicht auf weitere Finanzhilfen für Entwicklungsländer
Trotz einer nächtlichen Marathonsitzung kommt von der Weltklimakonferenz in Posen (Poznan) nur wenig Schwung für ein neues Klimaabkommen. Umweltorganisationen sprechen von Stillstand. Die EU sieht darin jedoch einen Fortschritt.
Nach Auffassung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat Posen den Startschuss gegeben für nun konkrete Verhandlungen zu einem Weltklimaabkommen, das Ende 2009 in Kopenhagen verabschiedet werden soll.
Die Vertreter von 190 Staaten hatten bis zum frühen Samstagmorgen um drei Uhr um die letzten Knackpunkte gerungen. Dennoch einigten sie sich nicht auf weitere Finanztöpfe für Entwicklungsländer, mit denen diese sich an den Klimawandel anpassen können. Er sei bei zwölf Klimakonferenzen dabei gewesen, sagte der Vertreter Indiens, doch "das ist einer der traurigsten Momente, die ich in all diesen Jahren erlebt habe".
Der Zug ist zwar losgefahren zur entscheidenden Konferenz nach Kopenhagen – ob er jedoch genug an Fahrt gewinnt und die Weichen in Posen richtig gestellt wurden, ist offen. Zudem ist trotz der Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten keinesfalls sicher, ob die USA in Kopenhagen wieder einsteigen werden.
Das Klimapaket der EU, das am Freitag in Brüssel beschlossen wurde, sollte die Weltklimakonferenz befeuern. Immerhin ist die EU die erste Region, die feste Ziele und Strukturen zur Senkung der Treibhausgase hat. Das Paket wurde aus Sicht von Umweltschützern durch viele Ausnahmen jedoch so verkleinert, dass es nur noch als kleines Päckchen in Posen ankam. Der Inhalt wird kaum reichen, um den Entwicklungsländern ausreichend zu helfen.
"Eine Führungsfunktion hat die EU zum ersten Mal nicht ausgeübt", sagt Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer mit Blick auf frühere Klimakonferenzen. "Man hat sich zwölf Monate im Kreis gedreht." Die Entwicklungsländer hätten dagegen Verantwortung gezeigt und mit nationalen Klimaschutzplänen erstmals eine Führungsrolle übernommen.
Keine konkreten Beschlüsse, aber mehr Dampf kam aus den USA. "Obama" war einer der meist genannten Namen in Posen. Friedensnobelpreisträger und Ex-Vizepräsident Al Gore begeisterte viele Klimaschützer mit einer flammenden Rede, in der er die Obama-Worte "Yes, we can" für den Klimaschutz einfach übernahm. Ob die USA Tempo machen, muss sich aber erst zeigen.
Obama hatte vor Posen ein ehrgeiziges Ziel verkündet: Er möchte bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen auf den Stand von 1990 zurückfahren, das entspricht minus 17 Prozent. "Das ist ein sehr engagiertes Ziel", sagt der WWF-Leiter für europäische Klimaschutzpolitik, Stephan Singer.
Simone Humml, Marc-Oliver von Riegen, allgemeine-zeitung.de